500 Bürger für Moratorium auf der Straße

Es war November vom Feinsten: nass und kalt. Trotzdem kamen heute 500 Jenaer Bürger auf dem Holzmarkt zusammen, um den Aufruf für ein Moratorium der Eichplatz-Planung zu fordern.

Sie zeigten damit, dass es mehr als ein paar Wirrköpfe sind, die mit der gegenwärtigen Planung nicht einverstanden sind. Während der Kundgebung nutzten viele Bürger das offene Mikrofon für eigene kritische Kommentare. Es wurden zahlreiche weitere Unterschriften für den Aufruf gesammelt – aktuell sind es schon über 7000.

Die Bürgerinitiative dankt allen Beteiligten für die überwältigende moralische und finanzielle Unterstützung. Jena ist eine großartige Stadt mit wunderbaren Bürgern.

Für den 04. Dezember, den Tag, an dem im Stadtrat der Verkauf des Eichplatzes beschlossen werden soll, ist eine Demonstration rund um den Eichplatz zum Rathaus geplant. Zeigen Sie den Stadträten, was Sie von diesen Plänen halten. Wer, wenn nicht wir …

16 Meinungen zu “500 Bürger für Moratorium auf der Straße”

  1. Jenaer Bürger sagt:

    Uh-oh, gerade mal 500 Leute. Und dabei hatten Sie so auf ein paar tausend gehofft. Und es hat nicht mal geregnet. Das muss ganz schön niederschmetternd sein. Vielleicht schätzen Sie die Meinung der Mehrheit ja doch falsch ein. Wenn Schweigen Zustimmung bedeutet, haben am Samstag 106.500 Leute für die Bebauung des Eichplatzes gestimmt. Oder, von mir aus, 98.500.

  2. Heidrun Jänchen sagt:

    Nein, wir hatten bei diesem Wetter (kein Regen, aber sehr ungemütlich) nicht mit 1000 Teilnehmern gerechnet.
    Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Schweigen automatisch Zustimmung bedeutet. Das ist die Lesart der Bebauungsbefürworter. Aber dass die Unterschriften für das Morartorium noch immer in derartiger Menge eintreffen, spricht dafür, dass noch längst nicht jeder Kritiker unterschrieben hat.
    Es ist schon witzig: Egal, wie viele Bürger unterschreiben oder demonstrieren, es findet sich immer jemand, der die Latte, ab der sie ernst zu nehmen wären, höher legt. Da werden auch gleich noch sämtliche Kinder mitgezählt. Ich gebe zu – unter den Untersechsjährigen ist die Zustimmung zum Moratorium wirklich gering …

  3. Jenaer Bürger sagt:

    Nein, Frau Jänchen. Dass Schweigen Zustimmung bedeuten soll, steht auf den Plakaten der BI.
    Zu Ihrem Vergleich mit der Latte kann ich nur sagen: wir hatten eine repräsentative Umfrage, die ein sehr eindeutiges Ergebnis pro Bebauung und bei einem Projekt mehr Befürworter als Gegner gebracht hat. Da halte ich es für völlig normal, dass wegen 500 Demonstranten und 7000 Unterschriften bei 107000 Einwohnern nicht alle vor Erfurcht erstarren und das Projekt sofort abbrechen. Ich bin auch Bürger dieser Stadt. Und ich bin, wie ich seit der Umfrage weiß, Teil einer Mehrheit. Von jemand wie Ihnen erwarte ich, dass sie auch diese Bürger ernst nehmen und nicht einfach als nur nicht genügend missio^^informiert abtun und es „witzig“ finden, wenn deren Interessen geschützt werden. Nur um das nochmal klarzustellen: es geht nicht um irgendein heldenhaftes „Wir da unten“ gegen „die Diktatur da oben“. Es geht darum, dass Sie Politik gegen eine große Menge Jenaer Bürger machen. Machen Sie sich das mal bewußt.

  4. Jenenser69 sagt:

    Lieber Jenaer Bürger,
    Ja, viele der 7000 sind für eine Bebauung des Eichplatzes. Aber eben nicht so, wie es die beiden Entwürfe derzeit vorsehen. Und ein echtes demoskopisches Ergebnis erhielte man nur, wenn man allen Jenaer Bürgern genau diese Planungen konkret erläutert und sie anschließend um die Abgabe eines Votums bittet. Natürlich ist das Illusion. Aber Äußerungen zu vermutlichen Mehrheiten sind somoit reine Spekulation. Um es klar zu sagen, ich bin kein Mitglied der Initiative „Mein Eichplatz“. Ich war am Samstag nicht dabei. Und bin für parlamentarische Demokratie. Aber, ich danke der Initaitive für ihr Engagement gegen die derzeitige „Basta-Politik“ des Jenaer Stadtrates. Diese ist unerträglich. Herr Peisker von den BÜNDNISgrünen, sollte sich der Historie des Namens seiner Partei mal wieder bewusst werden. TLZ-Zitat Herr Peisker: Viele der Moratoriumsunterzeichner würden eine Bebauung befürworten, wenn sie die Pläne kennen würden. – Da fällt einem doch wirklich nichts mehr ein…

  5. Bei der Bürgerbefragung gab es eine Mehrheit für Bebauung und eine Mehrheit gegen jedes einzelne Investorenkonzept. Auch die BI ist mehrheitlich für Bebauung, allerdings nicht für diese. Das heißt: Wir sehen uns durchaus in Übereinstimmung mit der Einwohnerschaft.
    Bei der Auswertung der Befragung sagte Professor Haase von der FH, dass bei der Fragestellung keine wissenschaftlich objektive Meinung zu erfassen wäre. Das geht schon damit los, dass es gar nicht um den Eichplatz, sondern um Eichplatz, Kirchplatz, Rathausgasse und Johannisstraße geht. Hätte man die Frage so gestellt, hätte die Antwort durchaus anders ausfallen können.

  6. Jenaer Bürger sagt:

    Nein, Frau Jänchen, Sie liegen schon wieder falsch. Ich helfe Ihnen mal mit den Zahlen aus der Auswertung der Bürgerbefragung der FH Jena, im Original einzusehen auf http://www.eichplatz.jena.de. Auf die Frage „Wie gefallen Ihnen die Konzepte?“ haben die Bürger bei ECE wie folgt geantwort:
    gefällt mir gut: 29,2%
    gefällt mir: 18,4%
    neutral: 12%
    gefällt mir weniger gut: 13,9%
    gefällt mir gar nicht: 26,5%
    Bei OFB haben die Bürger wie folgt geantwortet:
    gefällt mir gut: 19,5%
    gefällt mir: 24,4%
    neutral: 17,7%
    gefällt mir weniger gut: 14,8%
    gefällt mir gar nicht: 23,6%
    Wenn man jeweils die beiden positiven und negativen Stimmen zusammenzählt, steht es bei ECE 47,6% zu 40,4% und bei OFB 43,9% zu 38,4%. Das ist keine Mehrheit gegen jedes einzelne Investorenkonzept, sondern im Gegenteil eine klare Mehrheit für zwei der drei Investoren. Wenn Sie Ihr Amt Ernst nehmen würden, müßten Sie sich mit diesen Zahlen für ECE einsetzen. Sie sind also nicht in Übereinstimmung mit der Bürgerschaft.
    Gestatten Sie mir zum Abschluss eine Frage. Ich lese immer wieder Behauptungen von Ihnen, die sich bei Nachprüfung als falsch herausstellen. Auch die heutige OTZ widmet einen Extra-Artikel der Richtigstellungen von Falschbehauptungen von Ihnen. Wie kann es sein, dass jemand, der promoviert hat, dem ich daher Intelligenz unterstelle, und der zudem als Stadtrat und Stadtentwicklungsausschussmitglied Zugang zu vielen Informationen hat, so oft korrigiert werden muss?

    • Bastian Ebert sagt:

      47,6% und 43,9% sind keine Mehrheiten. Nichts gegen ein paar Lügen mit Statistik, aber die Mehrheit hat eben nicht bei „Gefällt mir“ und „Gefällt mir gut“ angekreuzt.

      • Jenaer Bürger sagt:

        47,6% grundsätzlich zustimmende Menschen sind ohne jeden Zweifel eine Mehrheit gegenüber 40,4% grundsätzlich ablehnenden. Um genau zu sein: eine relative. Dito bei 43,9% zu 38,4%. Wenn Sie das nicht glauben, schauen Sie in die Definition. Die Antworten „gefällt mir gut“ und „gefällt mir“ als positiv, d.h. grundsätzlich zustimmend zusammenzunehmen, dürfte unstreitbar zulässig sein. Ob man „gefällt mir weniger gut“ und „gefällt mir gar nicht“ als negativ, d.h. grundsätzlich ablehnend zusammenfassen kann, mag man diskutieren, denn „gefällt mir weniger gut“ drückt nicht notwendig Ablehnung aus. Wenn Sie das anders als ich sehen wollen, gerne, dann wird das Verhältnis der grundsätzlich Zustimmenden zu den Ablehnenden aber noch deutlicher. Da ich denke, dass ich Ihnen das nicht hätte erklären müssen und Sie als politisch ambitionierter Mensch sehr wohl den Unterschied zwischen einfacher und relativer Mehrheit kennen, betrachte ich die Unterstellung, ich würde lügen, als bewußte Herabwürdigung und Lüge Ihrerseits. Sie können mich jetzt gerne eines Besseren belehren und Ihren Irrtum aufklären. Oder ich gehe davon aus, dass Sie einfach eine schlechte Diskussionskultur haben und charakterlich als Stadtrat ungeeignet sind.

    • Wir nehmen auch die Online-Ergebnisse ernst. Der Stadtrat hatte die Online-Beteiligung ermöglicht, als wir eine Befragung aller Bürger forderten. Die Ergebnisse können Sie hier http://bastianebert.de/209/die-wirklichen-ergebnisse-der-eichplatzbefragung/ nachlesen. Das siind Mehrheiten gegen alle drei Konzepte.
      Ich habe übrigens kein Amt und bin kein Stadtrat. Ich habe auch keine Falschbehauptung geäußert – ich habe lediglich die Stadträte auf einen Punkt in den Verträgen hingewiesen, der mir genauerer Betrachtung und Diskussion wert zu sein scheint. Mein Problem ist, dass ich mich öffentlich nicht klar zu den Inhalten der Verträge äußern kann, weil alle Ausschussmitglieder zu strengstem Stillschweigen verpflichtet wurden. KIJ kann hingegen selbst entscheiden, worüber geredet werden darf. Ich gestehe, dass ich es vielleicht geschickter hätte ausdrücken können. Aber ich war davon ausgegangen, meinen Redebeitrag in der Debatte halten zu können, wo sofort Gelegenheit zu einer Konkretisierung und Gegenrede gewesen wäre – falls zulässig.

      • Jenaer Bürger sagt:

        Danke, dass war immerhin mal eine ehrliche Antwort. Zu den Mehrheiten hatten Sie sich allerdings nicht noch einmal geäußert. Ist es also so, dass es nicht nur bei der Frage nach der Bebauung, sondern auch bei den vorgelegten Konzepten in der repräsentativen Befragung eine klare (relative) Mehrheit für die Konzepte von ECE und OFB gegeben hat?

        • Wenn Sie mal einen Blick auf die verlinkte Seite werfen, werden Sie feststellen, dass es eine klare relative Mehrheit gegen alle drei Konzepte gibt, sobald man die Online-Stimmen nicht einfach wegwirft. Ich finde es ausgesprochen hinterhältig, wenn man den Bürgern erst suggeriert, sie könnten sich alle online beteiligen, und dann ihre Stimme einfach nicht zählt. Als Begründung musste unter anderem herhalten, dass sich relativ mehr junge Männer als alte Frauen online beteiligt haben. Das kann ich beim besten Willen nicht überraschend finden. Auch waren überdurchschnittlich Leute aus dem PLZ-Bereich 07743 dabei – also Betroffene aus dem Stadtzentrum.
          Ich war als Zuhörer bei der Debatte des Stadtentwicklungsausschusses zu dieser Befragung dabei, und da wurden alle kritischen Fragen angesprochen – und von der Koalition vom Tisch gewischt.

          • Jenaer Bürger sagt:

            Ich weiß, dass die Ergebnisse der Online-Umfrage von denen der Briefumfrage abweichen. Ich weiß, dass sie technisch nicht gesichert und leicht manipulierbar war. Es ist offensichtlich, dass sie damit und zu diesem Zeitpunkt ein besonderer Anziehungspunkt für die Gegner war. Warum sie gemacht wurde, weiß ich auch nicht und verstehe Ihre Kritik. Ich hätte sie weggelassen. Aber ableiten können Sie daraus nichts, auch nicht die Ergebnisse der Briefumfrage relativieren. Die ist das einzige ehrliche Bld, das wir bisher haben. Dazu haben Sie meine letzte Frage noch nicht beantwortet. Ist es richtig, dass es darin nicht nur bei der Frage nach der Bebauung, sondern auch bei den vorgelegten Konzepten in der repräsentativen Befragung eine klare (relative) Mehrheit für die Konzepte von ECE und OFB gegeben hat?

  7. Lutz sagt:

    Wenn man das als ehemaliger Jeneser so liest, es kräußeln sich die Fußnägel. Richtig ist, daß in einer Demokratie diskutiert werden soll und muß, um letztendlich , wie immer, eine Kompromisslösung zu finden. Wenn dann aber , und auch das gehört dazu, mal ein Schlußstrich gezogen wird und nach Ausführung aller Argumente abgestimmt wird, dann MÜSSEN auch, so unser demokratisches Grundverständnis, die Minderheiten einfach mal anerkennen, dass eben die Mehrheit es etwas anders will. Davon geht die Welt nicht unter. Es hat nichts mit Demokratie zu tun, und schon gar nicht mit rechtmäßigen Forderungen, immer und immer wieder das selbe Thema auf den Plan zu bringen, in der Hoffnung, irgendwann mal doch „zu gewinnen“. Leider ist diese Art mittlerweile unter falsch verstandener Freiheit zu einer verbreiteten Unart geworden.
    Überlegt euch doch mal die Größe des Universums, und dann denkt mal darüber nach, was für ein Sandkasten-Kindergartenspiel ihr in dieser „Lichtstadt“ ohne ICE-Anbindung (jedenfalls bald, dank eurer Vorausschauenden Denkweise)ihr hier eigentlich abdrückt! Und das von angeblich promovierten Leuten, ist einfach nur lächerlich!

  8. Holger Herrmann sagt:

    Aus meinem Verständnis heraus ist die die BI ist ein loser Zusammenschluss von Menschen, die sich und alle Bürger in den Planungs- und Entscheidungsprozess um den Eichplatz einbringen wollen.
    Dies ist jedoch nicht möglich da der Bebauungsplan Eichplatz mit seinen Baulinien keine offene Bürgerbeteiligung zulässt. Der B-Plan Eichplatz ist ein Dogma und alles was von diesem Dogma abweicht ist aus Sicht der im Stadtrat führenden Koalition nicht verhandelbar.
    Deshalb ist auch alle bisher gelaufene „Bürgerbeteiligung“ eine Scheinbeteiligung. Sie stellte zwar bauliche Entwürfe vor, lies jedoch abweichende Meinungen nicht zu. Selbst diese „Scheinbürgerbeteiligung“ wurde in der Öffentlichkeit nur unzureichend kommuniziert. Dauernd fahren Busse und Straßenbahn mit Werbung städtischer Betriebe und Einrichtungen durch die Stadt. Von einer Einladung zu einer Ausstellung der Ergebnisse zum Eichplatz habe ich da nichts gesehen. Die Entwürfe zum „Städtischen Eichplätzchen“ wurden in der Goethegalerie und im alten Rathaus ausgestellt. Das Einzige sehr schöne Werbeplakat zur Ausstellung im Rathaus stand hinter der Rathaustür im Inneren des Gebäudes.
    Jetzt soll eine erneute Bürgerbefragung erfolgen. Es bleibt zu wünschen, dass die Kardinalfrage eindeutig formuliert.
    Im Falle einer Ablehnung sollte gefragt werden, welches Areal die Bürger mit welchen Nutzungsarten bebaut haben möchten, damit mehrere neue Varianten erarbeitet werden können.
    Bei der Bürgerbefragung wurden bei den einzelnen Investoren jeweils ca. 10% der Stimmen unter den Tisch gekehrt, die keine Angaben machten. Ich bin mir sicher, dass in Jena diese Tatsache nicht dem Unvermögen seiner Bürger geschuldet ist.

  9. Lutz sagt:

    Da steht die Heidrun immer vorn dran und ist für Dialoge bereit. So ihre eigene Aussage. Sofern jedoch etwas kritische Anmerkungen kommen, die erlaubt sein sollten, ja, die werden einfach gelöscht. Kennen wir das nicht von den Roten aus zum Glück längst vergangenen Zeiten? Was nicht in den Kram passt, das darf nicht sein????
    Es ist eben einfacher, die breite Palette der Demokratie für die eigenen, nur von Minderheiten getragenen Meinungen zu nutzen. Und wenn tatsächlich alle Wahrheiten besprochen würden, bleiben nicht mal diese Minderheiten über. Ist doch ein sehr einseitiges Demokratieverständnis!

  10. Heidrun Jänchen sagt:

    Auf der Seite der Bürgerinitiative lösche ich lediglich den regelmäßig auftauchenden Werbespam.
    Die Aussage von „Lutz“ bezieht sich offenbar auf mein privates Blog. Nachdem er mir da wiederholt erklärt hatte, ich sei geisteskrank und gehöre in Behandlung, habe ich ihn auf die Spam-Liste gesetzt. Das hat nichts mit kritischen Anmerkungen oder Demokratie zu tun, sondern ist Pöbelei. Für sachliche Diskussionen bin ich immer offen.

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