Weder Shopping-Center noch andere Neubauten

Bauverbot Logo Gastbeitrag – Wer sich gegen ein neues Center wehrt, der gerät oft in den Verdacht, nur etwas gegen Baustellen vor der eigenen Haustür zu haben, und es wird der Vorwurf laut, als Neinsager gegen wirtschaftliche Vernunft zu verstoßen. Es gibt jedoch gute Argumente gegen jeglichen Neubau, und die sammelt Daniel Fuhrhop auf dem Blog „Verbietet das Bauen“ www.verbietet-das-bauen.de. Als Betriebswirt und langjähriger Architekturverleger wuchs sein Widerwillen gegen die Bauwut in allen Bereichen: Bei Museen und anderen Kulturbauten planen Politiker immer wieder ein Prestigeprojekt, so wie aktuell gleich drei neue Bauhaus-Museen in Berlin, Dessau und Weimar für zusammen 90 Millionen Euro, doch gleichzeitig fehlt allerorten den bestehenden Museen und Theatern das Geld für ihre Häuser. Neue Fachmarktzentren, Discounter und Shopping-Center entstehen so wie in Jena in allen Großstädten, obwohl seit rund 15 Jahren bundesweit gleichviel Geld für den Handel ausgegeben wird; das heißt jeder neue Laden schadet den alteingesessenen Händlern. Fuhrhops Texte und Filme zu Centern finden sich jetzt auf der Webseite www.daniel-fuhrhop.de/zu-shopping-centern/. Schließlich liegt sogar die oft beschworene Wohnungsnot am Anspruchsdenken. Jena zählt weniger Einwohner als 1988, und trotzdem wurden allein in den letzten Dutzend Jahren über 4.000 Wohnungen in der Stadt gebaut mit über 300.000 Quadratmetern. Die werden nur deshalb genutzt, weil wir auf immer mehr Fläche wohnen. Statt 15 Quadratmeter pro Person wie in den 1950er Jahren beanspruchen wir über 40 Quadratmeter pro Person, das ist Platzverschwendung http://www.verbietet-das-bauen.de/platzverschwender-gegen-taut/ . Gerade die jungen Studierenden sollten sich fragen, warum immer mehr von ihnen allein wohnen, anstatt in einer Wohngemeinschaft oder zur Untermiete.

Prestigesüchtige Politiker und gewinnsuchende Investoren befeuern eine Bauwut, unter deren Folgen viele leiden. Energie und Geld werden für Neubauten verschwendet, und beides fehlt uns dann für die Altbauten, aus denen die Stadt besteht. Egal aus welcher Epoche die Häuser stammen, sie alle zeugen von unserer Geschichte. Sie verdienen unsere Sorge und unseren Respekt. Wehren wir uns gegen Neubau am Eichplatz und in ganz Jena.

2 Meinungen zu “Weder Shopping-Center noch andere Neubauten”

  1. Holger Herrmann sagt:

    Der angeführte Vergleich ist völlig irrelevant. 1950 mit 15m² pro Person beinhaltet die Wohnungsnot nach dem Krieg mit Plumsklo im Treppenhaus.
    Einzelne Personen wohnen heute in Jena sicher auf größeren Flächen als früher, weil große Wohnungen mit Altmietverträgen preislich günstiger sind als kleinere Neubauwohnungen.
    Vielleicht haben Studierende heute mehr Leistungsdruck ihr Studium zügig abzuschließen und dies setz entsprechende räumliche Gegebenheiten voraus.
    Es kann natürlich auch sein, das heute mehr Studenten mit wohlhabenden Elternhaus studieren und sozialschwächere Eltern ihr Kinder gar nicht mehr erst zum Studieren schicken.

  2. Mario Schreiber sagt:

    Es ist sicher fraglich ob Jena unbedingt weitere Einkaufsmöglichkeiten benötigt. Aber betrachtet man den Eichplatz ohne Lokalpatriotismus, ist es einfach nur ein absolut „hässliches“ Stück Parkplatz. Und das auch noch mitten im Zentrum und nicht in irgendeinem Gewerbegebiet. Das Bild welches am oberen Rand dieser Webseite benutzt wird, ist einfach nur der Hohn! Zoomen Sie mal auf, und schauen Sie sich dann mal den kleinen grünen Streifen ( ca. 10… 20%) mit Bäumen im Vergleich zu der wundervollen Betonplattenwüste an. Ist doch ein Traum! Weiterhin habe ich heute so einen wundervollen grünen Flyer dieser Initiative im Briefkasten gefunden. Bei den Stichpunkten auf der Rückseite sind sicher Probleme aufgeführt die Jena betreffen. Aber sollen generelle Probleme der Stadt durch eine Nichtbebauung gelöst werde? In Jena gibt es kein Konzept für den Radverkehr! Nirgends! Was soll sich daran durch eine Eichplatzbebauung ändern? Dauerstau am Pulverturm? Schon mal 16:00 Werktags dort mit dem Auto vorbeigefahren? Und das Beste ist Herr Fuhrhop: in den 50’er Jahren war alles besser. Und im Mittelalter erst. Und in der Steinzeit. Möchte mal wissen ob der in einer 15m2 Höhle auch noch so erheiternde Kommentare von sich gibt. Solche Unterstützer für die Bürgerinitiative schaden der Glaubwürdigkeit massiv!

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