Schausteller kämpfen um Zukunft in Jena

Schausteller

Inzwischen hat sich eine weitere Gruppe von Betroffenen oder, wie sie es selbst ausdrückten, „Planungsverdrängten“ zu Wort gemeldet: die Thüringer Schausteller, die zu den drei großen Märkten in Jena alljährlich um die 1.2 Mio. Besucher anlocken. Sie kämpfen um 300 Arbeitsplätze auf dem Eichplatz. Die Stadt hat 2011 mit den auf dem Rummel anwesenden Schaustellern gesprochen, nicht aber mit deren Dachorganisation. Der Deutsche Schaustellerverband forderte nun vehement einen konstruktiven Dialog – und eine Alternative.
Die Vertreter der Stadt hatten da wenig zu bieten. „Niemand will das Kinderlachen aus der Stadt vertreiben“, sagte Stadtentwicklungsdezernent Denis Peisker, ließ aber keinen Zweifel daran, dass er neue Läden auf dem Eichplatz für wichtiger hält als Karussells und Riesenrad. Jörg Vogel (SPD) unterstützte ihn mit der Äußerung, wenn die Schausteller nicht in der Stadt seien, dann sei auf dem Platz „tote Hose“.
Carsten Müller von JenaKultur hatte vor allem eine lange Liste von Unmöglichkeiten im Gepäck, wohl um zu zeigen, dass man sich an den Hausaufgaben versucht hat, wenn auch ohne Ergebnis. Letztlich lief es darauf hinaus, dass man für die Märkte in Jena ein neues Konzept erarbeiten wollte, in dem große Fahrgeschäfte keinen Platz mehr haben. Ein paar Los- und Schießbuden vielleicht und ein Kinderkarussell.
Die Schausteller wiesen darauf hin, dass auch sie Teil der Kultur seien – und völlig ohne Subventionen auskämen. Für alle eventuellen Kosten in Verbindung mit dem Rummel kommen sie selbst auf. Sie spendieren der Stadt sogar regelmäßig ein Feuerwerk.
Mit einer teilweisen Bebauung könnten sie sich anfreunden. Mit etwas Geschick könnte man Grünanlagen und Rummel ineinander schachteln, ohne Schaden anzurichten. Dazu gibt es aus anderen Städten Erfahrungen. Auch könnte die Wohnwagensiedlung, die bisher direkt auf dem Eichplatz stand, auch nach draußen verlagert werden, ans Stadion beispielsweise. Derartige Lösungen setzen jedoch voraus, dass Stadtrat und Stadtverwaltung grundsätzlich zu einem Überdenken der Planung bereit sind.

 

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