Verkauf trotz Bürgerprotest

Am 04. Dezember machten sich bei nasskaltem Wetter zwischen 500 (Schätzung der Polizei) und 1000 Jenaerinnen und Jenaer auf, um rund um den Eichplatz und vor dem Rathaus gegen den geplanten Verkaufsbeschluss zu protestieren. Halt, Verkauf heißt das noch nicht, sondern Entscheidung für den Investor, mit dem die weiteren Prozesse gestaltet werden sollen. Genau diese Entscheidung wurde trotz der Proteste und trotz der inzwischen 10500 Unterschriften für das Moratorium wenig später unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Rathaus getroffen.
Kritik gab es in der anschließenden öffentlichen Debatte von den Oppositionsfraktionen Die Linke, Bürger für Jena und FDP, während sich die Koalition aus SPD, CDU und Grünen im Schönreden übte. „Viel Weihrauch“, stellte FDP-Stadtrat Andreas Wiese danach fest.
Inwieweit das versprochene Bürgervotum und der Abwägungsbeschluss zum dann 5. Bebauungsplan überhaupt noch Änderungen am jetzigen Projekt zulassen, wurde in der Diskussion nicht klar. Nichtöffentlich hatte man offenbar über mögliche Regressforderungen der Investoren informiert – den Bürger geht das nichts an.
Die BI „Mein Eichplatz“ hält trotzdem an ihrem Protest fest. Die starke Unterstützung aus der Bevölkerung sehen wir als Auftrag.

3 Meinungen zu “Verkauf trotz Bürgerprotest”

  1. Jeneser69 sagt:

    Liebe Moratoriumsunterstützer,
    die nächste Kommunalwahl kommt ganz bestimmt. Und ich kann nur hoffen, dass Ihr bis dahin nicht vergesst, was da am 4. Dezember im Stadtrat passiert ist. Es gab innerhalb relativ kurzer Zeit ein so deutliches Votums von 10.500 Moratoriumsbefürwortern – das entspricht über 26 % (!) der Wähler die 2012 in Jena zur Kommunalwahl gegangen sind.
    Davon völlig unbeeindruckt ist die entgültige Weichenstellung für die Bebauung à la JenaWohnen und OFB durchgeprügelt worden. Machen wir uns nichts vor, es werden damit nur noch punktuelle Änderungen möglich sein. Die Hauptkritikpunkte: zu hoch, zu eng (Johannisstraße), zu wenig grün, zu wenig Freiflächen, kein durchdachtes Verkehrskonzept, große Einschränkungen bei den bisherigen Sichtachsen werden wohl ignoriert werden. Zu unwirtschaftlich seien die Wünsche – wird es heißen. Und was nützt es uns an dieser Stelle, dass wir bei der letzten Kommunalwahl nach Diskussionen bspw. um die Bebauung des Jenzigfußes verstärkt auf die Farbe grün gesetzt und sogar einen verantwortlichen Dezernenten mit einem solchen Parteibuch haben. Rein gar nichts. Grandios gescheitert an der Realität. Beispiel gefällig? Zitat Herr Philler in der Stadtratsitzung am 26.11.2013 „das schlimmste wäre die Nichtbebauung“. Hat DAS wirklich ein grüner Stadtrat gesagt? Und wo bleibt der grüne Dezernent? Und wo der OB, seine historische Verbundenheit zu Bürgerbewegungen, seine Achtung vor den Ehrenbürgern unserer Stadt? Die große Bürgerbefragung, auf die der Stadtrat nun verweist, Sie wird auf jeden Fall kommen. Und diese trägt den Namen: Kommunalwahl! Und nur zur Klarstellung – ich bin ein Parteiloser…

  2. Lutz sagt:

    Liebe leute, das Stadtzentrum war über Jahrhunderte entsprechend der damaligen Möglichkeiten eng bebaut. Sofern man damals schon die Stahlbetonbauweise gekannt hätte, wären die Gebäude um einige Etagen höher gewesen. Es ist auch in vielen Städten mit gewachsenen Strukturen erkennbar, daß das Stadtzentrum eher eine dicht bebaute Fläche darstellt. Die Freiflächen in Jena´s Innenstadt sind die Folge des Krieges und der dann gefolgten sozialistischen Bauweise. Beides war nicht gut. Und nun kommen all die Nörgler und wollen Sichtachsen und Radwege. Sicherlich, zum Einkaufen fahren die dann nach Isserstedt….Kann und soll sich die Stadt die teuersten Flächen als Rummelplatz freihalten? Das kann es nicht auf Dauer sein. Schauen wir uns die alten Karten an. In Anlehnung dessen und natürlich die heutigen Anforderungen an das moderne Wohnen sollte schon eine dichte Bebauung, so wie sie früher auch war, erfolgen. gern kann auch in den Etagen zugelegt werden, schließlich relativiert die Turmhöhe die geplanten Bauhöhen. NATÜRLICH MUß Handel in diese Komplexe, NATÜRLICH MUß an Tiefgaragen für Anwohner und Kunden in ausreichendem Maße gesorgt werden. Warum wird wegen jedem einzelnen Baum so ein Ruß gemacht? Damit die Hund dann was zum Anpinkeln haben?
    Wie dem auch sein, ich hoffe auf eine gute, enge und hohe Bebauung, wo Gaststätten, Läden zu einem bunten Treiben einladen. Hoffentlich werden die Fassaden nicht so entartet, wie dies am Sonnenhof nun zu sehen ist. DAS sind dann Fehler, die nicht wieder gutzumachen sind!! Und der „Lichtstadt“ nicht gut tun!

    • anderer Jenaer Bürger sagt:

      Für mich ist das eine merkwürdige Idee. Weil man im Mittelalter alles möglichst dicht bebaut hat, muss das heute auch nocht gut sein. Damals war außen eine Stadtmauer, also konnte die Stadt nur innen alles zubauen. Wir machen heute doch auch größere Fenster. Früher waren Fenster ein Problem, weil sie schlecht isoliert waren.
      Nach allem was man hört, wird es nicht genug Parkplätze geben. Die reichen nicht mal für den Neubau und der Rest der Stadt guckt in die Röhre!

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